Provokation atheistischer Gruppen

Mit dem Antrag auf Eintragung als religiöse Bekenntnisgemeinschaft hat die atheistische "Pastafari"-Bewegung eine Debatte entfacht.

Mit dem Antrag auf Eintragung als religiöse Bekenntnisgemeinschaft hat die atheistische Pastafari-Bewegung eine Debatte entfacht. Doch so beleidigend die Religionsverspottung durch den Neuen Atheismus für Gläubige auch ist, die Anzahl organisierter Atheisten ist (noch) gering. 

von Heinz Niederwieser

Ein Spaghetti-Monster als Schöpfer und ein Nudelsieb als religiöse Kopfbedeckung: Für vernünftige Menschen sind die „Pastafaris“ als Spott erkennbar. Religion lächerlich zu machen, ist das Ziel der Gruppe, die als Reaktion auf fundamentalistische US-Christen entstand und zum Neuen Atheismus gerechnet wird. Nun hat die Bewegung in Österreich die Eintragung als Bekenntnisgemeinschaft beantragt, um auf angebliche Privilegien
anerkannter Religionen hinzuweisen.
Wie reagieren? Politische Aufmerksamkeit hat der Schritt erfahren, weil Nico Alm, Religionssprecher der Neos, Pastafari-Aktivist ist. Doch wie viel Rückhalt hat diese Spielart von  Atheismus? „Es sind 5000 bis 7000 Personen, die über atheistische Gruppen vernetzt sind“, sagt Wolfgang Mischitz, Referent für Weltanschauungsfragen der Diözese Innsbruck. Der Neue Atheismus setze auf Provokation. Mischitz warnt aber davor, sich in primitive
Polemisierungen hineinziehen zu lassen. Wichtiger sei Aufklärung über die von diesen Gruppen gestreuten Vorurteile und Irrtümer. „Im Falle des ‚Volksbegehrens gegen Kirchenprivilegien‘ ist das gelungen“, sagt Mischitz. Mit 56.660 Unterschriften lieferten die Proponenten 2013 das schlechteste Ergebnis eines Volksbegehrens ab – wobei sie den Atheismus an sich nicht betont hatten.
Geringe Chancen auf Eintragung. Und wie sieht es mit den Chancen der „Pastafaris“ auf Eintragung als Bekenntnisgemeinschaft aus? Das Kultusamt hat sechs Monate Zeit, den Antrag zu prüfen. Gefordert sind mindestens 300 Mitglieder, die Gruppe gibt an, 450 zu haben. Herbert Kalb, Vizerektor der Kepler-Uni Linz und Experte für Staatskirchenrecht, geht aber davon aus, dass die „Pasta- faris“ scheitern: „Das Kultusamt wird wohl ein religionswissenschaftliches Gutachten einholen und ich kann mir nicht vorstellen, dass die Gruppe darin als Anhänger einer Religionsgemeinschaft beschrieben werden“, sagt er. Eines freilich haben die neuen Atheisten erreicht: Aufmerksamkeit.
Infos bietet die Broschüre „Atheismus – Facetten einer Weltanschauung“, beziehbar unter www.weltanschauungsfragen.at oder unter Tel. 01/51552-3384.  

Wie der Dialog mit Atheisten funktionieren kann 

Christen sehen sich durch die neuen Atheisten provoziert und dennoch setzt Papst Franziskus auf einen Dialog mit Nichtglaubenden. Wie kann das funktionieren? Mit ehrlichen Gesprächspartnern ist das möglich, sagen Experten. Franz Kronreif, der für die Fokolare-Bewegung in Rom tätig ist, führt solche Dialoge. „Es braucht ein Gespräch auf gleicher Augenhöhe. Dialog ist nicht dazu da, dem anderen meine Meinung überzustülpen“, sagt Kronreif, der mit kommunistischen Atheisten wie Österreichs ehemaligem KP-Chef Walter Baier im Gespräch ist. Kronreif hat Baier Kardinal Gianfranco Ravasi vorgestellt, der im Vatikan für den Dialog mit den Nichtglaubenden zuständig ist. Seitens seiner Gesprächspartner sieht Kronreif gemeinsame Themen, zum Beispiel im sozialen Bereich.
Andererseits könne auch die Kirche etwas aus diesem Dialog lernen, sagt Kronreif: „Er führt heraus aus der Selbstbezüglichkeit in der Kirche. Wir müssen uns mit den Erscheinungsformen dieser Welt auseinandersetzen.“ Kronreif verweist dabei auch auf Benedikt XVI. in seiner Freiburger Rede, der Säkularisierung durchaus als Möglichkeit für die Kirche beschrieben hat, sich auf ihren eigenen Auftrag zurückzubesinnen („Entweltlichung“). 

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