Eine Tiroler im Vatikan

Sie zieht im Vatikan journalistisch wichtige Fäden und ist , eine Brückenbauerin zwischen dem Vatikan und Österreich: Seit 2008 ist Prof. Astrid Haas Chefredakteurin der deutschen Ausgabe des %u201EL´Osservatore Romano%u201D, der offiziellen Zeitung ...

Sie zieht im Vatikan journalistisch wichtige Fäden und ist eine Brückenbauerin zwischen dem Vatikan und Österreich: Seit 2008 ist Prof. Astrid Haas Chefredakteurin der deutschen Ausgabe des „L´Osservatore Romano”, der offiziellen Zeitung des Vatikan. Die Kirchenzeitung Tiroler Sonntag hat mit ihr das folgende Interview geführt.

 

Bundespräsident Heinz Fischer verlieh Ihnen kürzlich den Titel ,,Professorin“. Hat Sie diese Auszeichnung überrascht?
Astrid Haas: Ja, durchaus. Wenn man im Ausland lebt, wird man ja manchmal vom eigenen Heimatland ,,vergessen“. Das war bei mir erfreulicherweise nicht der Fall. Durch meine Tätigkeit als Chefredakteurin des deutschsprachigen ,,Osservatore Romano“ bin ich ja auch in den  österreichischen Medien präsent und kann somit eine Brücke zwischen dem Vatikan und Österreich herstellen. Die Titelverleihung hat mich umso mehr gefreut, als sie im 150. Gründungsjahr der Vatikanzeitung erfolgte.

Wie verlief Ihr beruflicher Werdegang?
Er war anfangs absolut nicht auf den Medienbereich ausgerichtet. Nach dem Schulabschluss arbeitete ich nämlich bei einer Innsbrucker Bank. 1976 wechselte ich aus privaten Gründen nach Rom, wo ich zunächst bei der österreichischen Botschaft tätig war. Also in einem Milieu, in dem Diplomatie, internationale Sichtweise und ein sozusagen völkerüberschreitendes Feingefühl gefragt sind. Die Botschafts-Erfahrungen prägten meinen weiteren Berufsweg.

Halten Sie trotz Ihrer vielen Arbeit im Vatikan Verbindung zu Ihrer Tiroler Heimat?
Selbstverständlich. Mindestens einmal im Jahr besuche ich meine Familienangehörigen und nutze die Gelegenheit zu Bergwanderungen. Wenn man in den Bergen aufwächst, hat man ja ein sehr starkes Heimatgefühl, und wenn ich in Innsbruck herumgehe, dann fühle ich mich einfach zu Hause.
Wie erleben Sie, konkret vor Ort, die persönliche Handschrift von Papst Benedikt in der Ausübung seines Petrusamtes? Benedikt XVI. ist ein Papst des Wortes und als solcher wird er, glaube ich, in die Geschichte eingehen. Betont sei, dass er meist auf ialienisch, oft auch auf englisch oder französisch – selten jedoch auf deutsch – spricht. Deshalb werden seine Redetexte dann für den deutschen Osservatore übersetzt. Mit genauer Anpassung an den Sprachgebrauch dieses hervorragenden Theologen. Im übrigen enthält unsere Zeitung natürlich viele andere Berichte aus dem Vatikan und der Weltkirche, ferner jetzt zum Beispiel eine Serie über die römischen Katakomben.

Wie beurteilen Sie das Papstbild in den deutschsprachigen Medien?
Es tut mir Leid, dass Benedikt XVI. meines Erachtens viel zu wenig beachtet wird. Gerade jetzt, wo wir einen deutschen Papst haben, sollte man im deutschsprachigen Raum seine Worte energischer verbreiten. Meist beschränkt sich die Berichterstattung nur auf Großereignisse, wobei aus den Reden von Papst Benedikt lediglich ein Satz – oft auch noch falsch – zitiert wird. Es ist sehr schade, dass eine Stimme, die so unermüdlich zum Frieden mahnt, nicht gebührend Gehör findet.

Der deutsche Osservatore Romano ist die einzige Wochenausgabe dieser Zeitung,
die nicht im Vatikan gedruckt wird. Warum?
Der Hintergrund ist, dass ein Großteil unserer Auflage natürlich an Abonnenten im deutschsprachigen Raum geht. Als man den deutschen Osservatore noch im Vatikan druckte, gab es ständig große Verzögerungen bei der Postzustellung. Um pünktliche Lieferung zu gewährleisten, entschied man 1986 die Durckverlegung nach Stuttgart.

Das setzte eine Übereinkunft zwischen dem Vatikan und der deutschen Kirche voraus, oder?
Ja, es gab Verhandlungen zwischen dem Heiligen Stuhl und der Deutschen Bischofskonferenz. Mit dem Ergebnis: Druck fortan im Stuttgarter Schwabenverlag. Dieser besorgt weiterhin die verlegerische Betreuung der Zeitung, während der Druck in Kempten erfolgt. Dieses System hat sich bewährt. Und es stärkt unsere ,,Brückenfunktion“ zwischen dem Vatikan und den Katholiken im deutschsprachigen Raum.

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Tiroler Sonntag - Aktuell